Studie und empirische Vorarbeiten
Vorhandene 3D- und Bilddaten wurden in mehreren Auswertungsschritten für Fragen der Gesichtsalterung, Merkmalsbeurteilung und Beobachtervariabilität genutzt.
Für die Untersuchung alterungsbezogener Gesichtsmerkmale bewerteten acht Beobachtende 32 vorab definierte Merkmale an standardisierten Bildtafeln von 18 Erwachsenen im Alter von 27 bis 84 Jahren. Für acht Targets lagen zusätzlich Wiederholungsbewertungen vor.
Damit lassen sich drei Ebenen getrennt untersuchen: der Zusammenhang einer Merkmalsbewertung mit dem chronologischen Alter, die Übereinstimmung zwischen verschiedenen Beobachtenden und die Stabilität bei wiederholter Bewertung durch dieselbe Person.
Personenbezogene Bilddaten und Rohwerte werden nicht öffentlich bereitgestellt.
Sichtbare Merkmalsbereiche
Die 32 Beurteilungsvariablen deckten mehrere Bereiche ab, in denen Alter im Gesicht sichtbar werden kann. Die Übersicht zeigt diese Bereiche, ohne einzelne Merkmale zu bewerten oder zu rangieren.
Merkmale als sichtbare Hinweise
Die Vorarbeiten behandelten Alterungsmerkmale als sichtbare Hinweise, die im Bild erkennbar, vergleichbar und für Beobachtende bewertbar sein müssen. Falten und Furchen, Zugewinn und Verlust beschreiben unterschiedliche Richtungen sichtbarer Veränderung.
Falten und Furchen
Falten, Furchen und Linien beschreiben sichtbare Oberflächen- und Reliefstrukturen. Methodisch nutzbar werden sie erst, wenn Verlauf, Ausprägung und Vergleichbarkeit im Bild erkennbar sind.
Zugewinn und Verlust
Zugewinn meint sichtbare Befunde, die mit dem Alter neu auftreten oder stärker hervortreten können. Verlust meint, dass vorhandene Strukturen schwächer werden, dünner wirken oder an Kontur verlieren.
Beobachterurteil
Für die Auswertung sind zwei Fragen zu trennen: ob ein Merkmal von Beobachtenden wiederholt und ähnlich bewertet wird und ob seine Bewertung mit dem Altersurteil zusammenhängt.
Altersbezug von Urteilen und Merkmalsgruppen
Altersurteile können mit mehreren Merkmalsgruppen zusammenhängen; ein einzelnes sichtbares Merkmal erklärt sie nicht zwangsläufig. Einzelne Merkmale wurden zunächst getrennt bewertet. Für die Auswertung wurden zusammengehörige Merkmale zu Kennwerten gebündelt. Dazu gehörten Falten, Furchen und Linien, neu hervortretende Alterszeichen sowie Merkmale, bei denen vorhandene Strukturen schwächer werden, dünner wirken oder an Kontur verlieren. So ließ sich prüfen, wie Merkmalsgruppen mit Altersurteilen, chronologischem Alter, Beobachterunterschieden und Wiederholungseffekten zusammenhängen.
Auswertungslogik
Altersassoziation und Reliabilität
Die Auswertung des vorhandenen Datensatzes zeigt, dass Altersassoziation und Reliabilität nicht gleichgesetzt werden dürfen. Für die 31 regulär auswertbaren Marker variiert sowohl der Zusammenhang mit dem chronologischen Alter als auch die Übereinstimmung zwischen Beobachtenden deutlich.
Ein anschauliches Beispiel ist die okuläre Trübung: Die aggregierte Merkmalsbewertung weist im untersuchten Material eine sehr hohe Altersassoziation auf (Spearman ρ = 0,942), während die Interobserver-Reliabilität deutlich niedriger liegt (ICC = 0,462). Die Wiederholungsstabilität innerhalb derselben Beobachtenden ist dagegen höher (ICC = 0,824).
Das Beispiel verdeutlicht eine zentrale methodische Unterscheidung: Ein Merkmal kann stark mit dem Alter assoziiert sein, ohne von verschiedenen Beobachtenden gleich zuverlässig beurteilt zu werden. Umgekehrt belegt eine hohe Reproduzierbarkeit weder diagnostischen noch identifikatorischen Wert.
Wiederholbarkeit und Beobachtervariabilität
Über die 31 regulären Marker lag der mittlere Interobserver-ICC bei 0,578. Die markerbezogenen Retest-ICCs lagen im Mittel bei 0,794; bei 30 von 31 Markern war die Wiederholungsstabilität höher als die Übereinstimmung zwischen verschiedenen Beobachtenden.
Diese Befunde betreffen die Reproduzierbarkeit morphologisch definierter Merkmalsbewertungen. Sie sind weder ein Validitätsnachweis für individuelle Altersdiagnostik noch ein Maß für den Beweiswert eines Merkmals bei der Personenidentifikation.