Funktion des Stimulusmaterials
Kontrolliertes Stimulusmaterial ermöglicht die systematische Untersuchung visueller Urteile.
Die Materialgrundlage geht auf 3D-Erhebungen seit 2005 zurück und verbindet morphologische Vorarbeiten zu Gesicht und Alter mit visueller Beurteilung, Beobachtervariabilität und Konfidenz.
Durch die systematische Kontrolle oder Variation von Alter, Ansicht, Bildinformation und Aufgabe lassen sich mögliche Beiträge des Gesichts, der Perspektive, der Bildqualität und der Beobachtenden gezielter voneinander abgrenzen.
Wie verändert sich ein visuelles Urteil, wenn dieselbe Person anders dargestellt wird?
Bei Gesichtern sind Ansicht, Projektion und Bildbedingungen keine Nebensache. Sie bestimmen, welche Merkmale sichtbar werden, welche verschwinden und welches Urteil Beobachtende daraus ableiten.
Stimuluspool und Altersbereich
Der Stimuluspool umfasst 3D-Gesichtsdaten und standardisierte Bilddaten von 208 Personen (105 Frauen, 103 Männer) im Altersbereich von 9 bis 85 Jahren. Die Daten erlauben kontrollierte Ansichten, Ableitungen und Alters- sowie Vergleichsaufgaben zu Alterswahrnehmung, Gesichtsvergleich und sichtbaren Merkmalen.
Der Zweck liegt nicht darin, Scantechnik zu demonstrieren. Das Material bildet die Grundlage, um Stimulusvariation, Beobachterurteil und Unsicherheit systematisch aufeinander zu beziehen.
Was sich damit untersuchen lässt
Alter und sichtbare Hinweise
Welche Strukturen werden für Altersurteile genutzt, und warum streuen Altersurteile bei manchen Personen stärker als bei anderen?
Ansicht und Projektion
Wie verändern Frontal-, Seiten- oder abgeleitete Ansichten die verfügbare Information und die Sicherheit von Urteilen?
Beobachterurteile
Wie konsistent sind Urteile zwischen Personen, zwischen Wiederholungen und im Verhältnis zur subjektiven Konfidenz?
3D-Erfassung als Grundlage
Die 3D-Erfassung trennt geometrische Form, Oberflächentextur und abgeleitete 2D-Ansichten. So lassen sich Unterschiede zwischen realer Gesichtsform, Bilddarstellung und beobachtetem Urteil gezielter untersuchen.
Technische Details zur Erfassung
Die Daten wurden mit einem berührungslosen 3D-Laserscanner auf Grundlage der Lasertriangulation erfasst. Der Scanner erkennt Merkmale nicht interpretativ, sondern dokumentiert eine dichte Punktwolke der Objektoberfläche. Diese Punkte wurden anschließend mit fotografischer RGB-Information verbunden.
Jede Aufnahme erfasste 640 × 480 Messwerte, also 307.200 Messpunkte. Die ursprüngliche technische Dokumentation nennt eine Messgenauigkeit von ±0,010 mm bei einem Sigma und eine geometrische Auflösung von 0,008 mm in der z-Koordinate.
Die Scanzeit betrug 2,5 Sekunden pro Position. Pro Kopf wurden drei Positionen erfasst: links lateral, frontal und rechts lateral. Die Fokussierdistanz lag bei 1060 mm für die Frontalaufnahme und 920 mm für die Seitenaufnahmen.

Dokumentation des 3D-Workflows
Abbildungen zum Workflow






Vorarbeiten zu sichtbaren Alterungszeichen

Weitere Ansichten und Legende anzeigen
Die Vorarbeiten umfassten Frontalansicht, Seitenansichten und isometrische Darstellungen. Damit liegt Material vor, an dem sich untersuchen lässt, inwieweit die Beurteilung sichtbarer Alterungszeichen von Ansicht, Kontur, Hautrelief und Weichteilform abhängt.



Lineae frontales transversae — horizontale Stirnlinien
Lineae glabellares verticales — vertikale Glabellalinien
Sulcus orbitalis superior — obere Orbitalfurche
Sulcus nasalis transversus — Nasenwurzelfurche
Sulcus anonymus superior — Übergangsfalte des Oberlids
Sulcus orbito-palpebralis superior — Oberlidfurche
Lineae canthi lateralis — laterale Augenwinkellinien
Sulcus orbito-palpebralis inferior — Unterlidfurche
Sulcus anonymus inferior — Augenwinkelfurche
Lineae orbitales laterales — laterale Orbitallinien
Plica naso malaris — naso-malare Falte
Sulcus orbitalis inferior — untere Orbitalfurche
Sulcus oculo-malaris — oculo-malare Furche
Sulcus alaris superior — obere Nasenflügelfurche
Sulcus alaris inferior — untere Nasenflügelfurche
Sulcus nasolabialis — Nasolabialfurche
Sulcus nasooralis — philtrale / naso-orale Furche
Fovea buccalis — Wangengrübchen
Lineae supralabiales — Oberlippenlinien
Sulcus angularis — Mundwinkelfurche
Sulcus sublabialis — Unterlippenfurche
Sulcus mentolabialis — Mentolabialfurche
Fovea mentalis — Kinngrübchen
Lineae cervicales — horizontale Halslinien
Die Legende benennt die in der Abbildung bezeichneten Falten-, Furchen- und Linienstrukturen; sie stellt kein aktuelles Scoring-System dar.
Originalformat, Export und Weiterverarbeitung
Nach der Aufnahme wurden geometrische Oberflächendaten und fotografische Texturdaten zusammengeführt. Aus demselben Grundmaterial können kontrollierte Ansichten und unterschiedliche Darstellungsformen abgeleitet werden.
Technische Dateiformate anzeigen
Die Original-Einzelscans liegen im Konica-Minolta-/CDM-Format vor. Dokumentierte Ausgabe- bzw. Exportformate des Systems sind STL, DXF, OBJ, ASCII-Punkte und VRML; vermaschte 3D-Modelle wurden als VRML gespeichert.
- Konica-Minolta / CDM (Original-Einzelscans)
- STL (*.stl)
- DXF (*.dxf)
- Wavefront OBJ (*.obj)
- ASCII-Punkte
- VRML (*.wrl; weiterverarbeitete vermaschte Modelle)
Schutz des Materials
Das Stimulusmaterial wird nur allgemein beschrieben. Personenbezogene Bilddaten, Einzelfalldaten und Rohdaten werden nicht öffentlich dargestellt.