Gesicht, Alter und visuelle Einschätzung
Menschen erkennen Gesichter mühelos, schätzen Alter schnell ein und vergleichen Personen oft innerhalb weniger Sekunden. Solche Urteile wirken unmittelbar. Untersucht wird, welche Gesichtsmerkmale mit solchen Beurteilungen zusammenhängen, wie stark Urteile zwischen Beobachtenden variieren und welchen Einfluss Bildbedingungen und Aufgabenstellung haben.
Welche Merkmale sind beurteilbar? Wie unterscheiden sich Beobachtende? Welche Rolle spielen Perspektive, Bildqualität und Aufgabe?
Forschungsschwerpunkte
Was wird gesehen?
Gesichter enthalten Konturen, Proportionen, Hautstrukturen, Alterungszeichen, Weichteilformen und bildabhängige Informationen. Untersucht wird, welche dieser Hinweise Beobachtende bei Altersurteilen, Ähnlichkeitsbeurteilungen oder der Beurteilung von Übereinstimmung heranziehen.
Wie unterscheiden sich Beurteilungen?
Beurteilungen können sich zwischen Personen unterscheiden, obwohl dasselbe Bildmaterial vorliegt. Untersucht werden deshalb Merkmalsnutzung, Beobachterunterschiede und – abhängig von der Aufgabe – Entscheidungskriterien.
Unter welchen Bedingungen ist eine Beurteilung nachvollziehbar?
Übereinstimmung zwischen Beobachtenden und Wiederholbarkeit innerhalb derselben Person sind getrennte Eigenschaften. Bei Aufgaben mit objektiv bestimmbarer Richtigkeit kann zusätzlich die Kalibration subjektiver Sicherheit geprüft werden.
Untersuchungsebenen visueller Beurteilungen
Bildbasierte Beurteilungen hängen sowohl vom verfügbaren Stimulus als auch von der Aufgabe und der beobachtenden Person ab. Diese Komponenten werden getrennt erfasst, soweit das jeweilige Design dies erlaubt.
Plausibilität allein genügt nicht als Gütekriterium. Relevant sind je nach Fragestellung unter anderem Wiederholbarkeit, Übereinstimmung zwischen Beobachtenden und – bei objektiv bewertbaren Aufgaben – Genauigkeit und Konfidenzkalibration.
Material und Methoden
Zum Material gehört ein Stimuluspool aus dreidimensional erfassten Gesichtern und zugehörigen Bilddaten von 208 Personen im Altersbereich von 9 bis 85 Jahren. Daraus lassen sich standardisierte Ansichten ableiten und mit Beobachterurteilen, Konfidenzmaßen und Variabilitätsanalysen verbinden.
Beispielhafte Forschungsfelder
Visuelle Alterseinschätzung
Wie Alter aus sichtbaren Merkmalen des Gesichts und Kopfes eingeschätzt wird und warum solche Urteile zwischen Beobachtenden streuen.
Bildbasierte Beurteilung von Ähnlichkeit und Differenz
Wie Ähnlichkeit und Differenz zwischen Personen anhand von Bildern beurteilt werden und welche Rolle Perspektive, Bildqualität und Vergleichsaufgabe spielen.
Bildqualität und Sichtbarkeit
Welche Informationen unter konkreten Bildbedingungen überhaupt verfügbar sind und wann Urteile methodisch begrenzt bleiben.
Konfidenz und Kalibration
Wie subjektive Sicherheit mit tatsächlicher Genauigkeit zusammenhängt, sofern die Aufgabe eine objektive Bewertung der Richtigkeit erlaubt.