Methoden

Interdisziplinäre Wahrnehmungsforschung

Methodischer Ansatz

Untersucht werden Zusammenhänge zwischen Stimulusbedingungen, Merkmalsbeurteilungen, visuellen Urteilen und – je nach Aufgabe – subjektiver Sicherheit.

In entsprechenden Beobachterstudien können Stimuli kontrolliert präsentiert und Antworten einschließlich subjektiver Sicherheit erhoben werden. Wiederholte Messungen erlauben anschließend die Prüfung von Wiederholbarkeit, Übereinstimmung zwischen Beobachtenden und – bei Aufgaben mit objektiv bestimmbarer Richtigkeit – der Beziehung zwischen Sicherheit und Genauigkeit.

Stimulus kontrollieren

Gesichter verändern ihre Wirkung mit Ansicht, Projektion, Bildqualität, Beleuchtung, Ausdruck und zeitlichem Abstand. Diese Bedingungen gehören deshalb zur Untersuchung.

3D-/2D-Material erlaubt es, Ansichten kontrolliert abzuleiten und zu prüfen, welche Hinweise über verschiedene Darstellungen hinweg sichtbar bleiben und welche durch Darstellung oder Perspektive abgeschwächt, hervorgehoben oder nicht mehr erkennbar werden. Dabei sind metrische Häufigkeit und visuelle Auffälligkeit zu trennen: In einer publizierten 3D-Auswertung trat beispielsweise eine Schrägstellung der Augenachse häufig auf, war aber nur bei 4,1 % der untersuchten Personen deutlich sichtbar.

Urteil erfassen

Beobachterstudien können Altersurteile, Ähnlichkeitsratings, Gleich-/Verschieden-Entscheidungen, Einschätzbarkeit und Konfidenz erfassen. Wiederholte Aufgaben und unabhängige Beobachtergruppen machen sichtbar, ob ein Urteil stabil, geteilt oder stark beobachterabhängig ist.

Gleich-/Verschieden meint die Entscheidung, ob zwei Bilder dieselbe oder verschiedene Personen zeigen. Konfidenz bezeichnet die angegebene Sicherheit.

Variabilität auswerten

Unterschiede zwischen Urteilen können aus mehreren Quellen stammen: aus dem Gesicht, der Ansicht, der Bildqualität, der Aufgabe oder der beobachtenden Person. Diese Quellen müssen analytisch getrennt werden, wenn visuelle Urteile nachvollziehbar beurteilt werden sollen.

Hierfür können deskriptive Kennwerte, Maße der Wiederholbarkeit und Übereinstimmung, Regressions- und gemischte Modelle sowie Analysen zur Konfidenzkalibration eingesetzt werden. Ziel ist es, Variabilität zu messen und ihre Quellen zu untersuchen. Eine publizierte Beobachterauswertung zeigte zudem, dass auch die Messung selbst merkmalsabhängig sein kann: Die mittlere Interobserver-Abweichung betrug 0,19 mm für die vertikale Ohrposition und 0,61 mm für die schwierigere seitliche Projektion der Nase.

Psychologische Auswertungsperspektiven anzeigen

Beobachterdaten erlauben zu beschreiben, wie stark Urteile zwischen Personen streuen und wie stabil sie bei wiederholter Messung bleiben. Bei geeignetem Design lässt sich außerdem untersuchen, wie Konfidenz und Genauigkeit zusammenhängen und welche Varianzanteile Stimulus, Perspektive, Bildqualität, Aufgabe und Beobachter erklären.

Damit stellt sich auch eine psychophysikalische Frage: Wie hängen kontrollierte Reizbedingungen mit visuellen Urteilen und deren Sicherheit zusammen?

Als mögliche Analyseebenen kommen sichtbare Merkmale, Beobachterunterschiede und – abhängig von der Aufgabe – Entscheidungskriterien sowie die Kalibration von Sicherheit und Genauigkeit in Betracht.

Unsicherheit und Entscheidungsschwellen

Visuelle Entscheidungen werden häufig unter unvollständiger Information getroffen. Eine vorsichtige oder unsichere Entscheidung kann deshalb angemessen sein. Hohe Sicherheit ist dagegen nicht automatisch mit hoher Genauigkeit gleichzusetzen.

Bei Aufgaben mit objektiv bestimmbarer Richtigkeit lässt sich prüfen, wie die angegebene Sicherheit mit der tatsächlichen Genauigkeit zusammenhängt.